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Bildhauer und Dekorateur Johann Michael Hoppenhaupt d. Ä.

Der Bildhauer Johann Michael Hoppenhaupt d. Ä. (1709-1769), der wie der Baukondukteur in königlich-preußischen Diensten stand, stattete in Schloss Zerbst sieben Räume aus. Er arbeitete von 1746 bis 1749 für den Zerbster Hof. Sämtliche Wandverkleidungen stellte er in seiner Berliner Werkstatt her. Hoppenhaupt musste sich bei der Ausführung der Dekorationen eng an die Vorgaben des Baukondukteurs Friedel halten. Ein Beleg für diesen sehr geringen Spielraum sind die Zeichnungen zum Audienzsaal im sogenannten Knobelsdorffschen Skizzenbuch [1]. Der Vergleich zwischen den Abzeichnungen der Originalpläne Friedels und den hergestellten Ornamenten beweist, dass es nur sehr geringe Differenzen zwischen Planung und Ausführung gab.
Der einer Merseburger Künstlerfamilie entstammende Bildhauer und Dekorateur Hoppenhaupt wurde 1709 in Zittau geboren. "Er hat in Dresden, Wien, und anderen Orten gearbeitet, und kam 1740 nach Berlin." [2] In Berlin und Potsdam schuf Hoppenhaupt unter Knobelsdorff zahlreiche Innendekorationen in königlichen Bauten. Er war an den Ausstattungen des Berliner Schlosses [3], der Schlösser Charlottenburg [4] und Monbijou [5] beteiligt und gestaltete Räume im Potsdamer Stadtschloss [6] und Schloss Sanssouci [7]. Während der Erweiterung des Breslauer Schlosses von 1750 bis 1753 übernahm er die Leitung bei der Gestaltung der Wohnung Friedrichs II. [8] Vielfach war er zusammen mit seinem Bruder Johann Christian Hoppenhaupt d. J. (1719-1785) und Johann August Nahl (1710-1781) tätig, dem er als Dekorateur und Ornamenterfinder kaum nachstand. Johann Christian führte auch zahlreiche Dekorationen im Neuen Palais im Park Sanssouci nach Entwürfen seines älteren Bruders aus. Die von J. W. Meil radierten und zwischen 1751 und 1755 erschienenen Entwürfe Johann Michael Hoppenhaupts d. Ä. zeigen verschiedene Gebäude, Innendekorationen, Möbelstücke usw.

  Zedernkabinett im Ostflügel Zedernkabinett im Ostflügel von Hoppenhaupt

Der herausragende Künstler Johann Michael Hoppenhaupt d. Ä. schuf unter Leitung des Baukondukteurs Johann Friedrich Friedel stilvolle Gemächer von ausgezeichneter Qualität. Mit ihm hielt das friderizianische Rokoko Einzug in Zerbst. Seine Zimmerdekorationen im Zerbster Schloss waren ebenso bedeutungsvoll wie andere friderizianische Raumschöpfungen in den königlichen Schlössern Preußens.

Auszug aus dem Buch: "Schloss Zerbst in Anhalt"

[1] Skbch 3826, fol. 131 Vs, 131 Rs, 132, 133 (Plankammer Schloss Charlottenburg, Berlin)
[2] Nicolai 1786, S. 145
[3] Der König ließ 1745 eine Raumfolge im Schloss für sich neu gestalten. Zu den beteiligten Künstlern zählte auch J. M. Hoppenhaupt d. Ä., der neben Nahl nachweislich im Schreibkabinett Friedrichs tätig war, das sich bis 1945 erhalten hatte. Die Dekorationen Hoppenhaupts im Berliner Schloss, dessen Hauptarchitekten Andreas Schlüter und Eosander von Göthe waren, gingen 1945 verloren.
[4] Im Schloss Charlottenburg gestaltete er 1747 gemeinsam mit seinem Bruder Johann Christian die Zweite Wohnung Friedrichs des Großen am Ostende des Neuen Flügels. Trotz der schweren Zerstörung konnten die Räume rekonstruiert werden.
[5] Im Schloss Monbijou führte Hoppenhaupt Dekorationen in Zimmern eines Erweiterungsbaus für die Königinmutter Sophie Dorothea (1687-1757) aus, der 1754 vollendet war. Dazu zählten auch das Porzellankabinett und die Porzellangalerie. Das Schloss wurde 1945 vollständig vernichtet.
[6] Für das 1945 zerstörte und 1960 abgebrochene Potsdamer Stadtschloss lieferte Hoppenhaupt die Entwürfe für den Bronzesaal in der Westwohnung Friedrichs II. und Möbelstücke. Außerdem schuf er die Türen im Marmorsaal und Dekorationen im Konfidenztafelzimmer.
[7] Johann Michael Hoppenhaupt d. Ä. arbeitete 1746/47 nachweislich die Wanddekorationen im Konzertzimmer des Schlosses Sanssouci, "das zu den beglückendsten Schöpfungen deutscher Rokokokunst gehört" (Schloss Sanssouci 1996, S. 66). Neben diesem Saal können heute noch einige Möbelstücke des Künstlers im Schloss bewundert werden.
[8] Von dem Gebäudekomplex ist heute nur noch das barocke Palais im Norden erhalten, in dem sich ein Archäologisches Museum befindet.


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