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Baumeister, Bildhauer und Maler Johann Christoph Schütze

Fürst Johann August von Anhalt-Zerbst erteilte kurz nach der Fertigstellung der Schlosskapelle im Westflügel (Raum 11) den Auftrag zur Errichtung eines Turmes am Corps de logis. Dieser Bau sollte dem Schlosshauptflügel optisch seine Bedeutung als wichtigster Trakt wiedergeben und ihn als Mittelpunkt der geplanten Dreiflügelanlage markieren, auch wenn der Ostflügel erst später entstehen sollte. Der Regent schien sich außerdem besonders für Aussichtspunkte zu interessieren, wie es der spätere Umbau des Schlosses Friederikenberg zu einem Belvedere mit guter Sicht in die Umgebung bezeugt.
Der Zerbster Hofbaumeister Behr begann mit dem Turmbau. Warum er ihn nicht vollendete, ist unbekannt. Schließlich setzte der Sachsen-Weißenfelser Architekt Johann Christoph Schütze die Arbeit am Turm fort und prägte sein Äußeres ganz entscheidend. Schütze stand in den Diensten des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels (1682-1736), einem engen Verwandten von Fürstin Sophia von Anhalt-Zerbst. Vermutlich kam er durch ihre Vermittlung nach Zerbst.

  Hauptorangerie von Schütze Hauptorangerie von Schütze
Johann Christoph Schütze wurde am 9. September 1687 im sächsischen Lauban (heute Luban in Polen) geboren. Über seine Studienzeit ist nichts bekannt, ebenso bleibt offen, unter welchen Baumeistern er sein Handwerk erlernte. Seine selbständig ausgeführten Bauten weisen darauf hin, dass er unter dem Einfluss schlesischer und vor allem sächsischer Meister stand. Die Vorbilder für Schützes Arbeiten lagen vor allem im barocken Dresden, insbesondere in den Werken von Matthäus Daniel Pöppelmann (1662-1736).
Johann Christoph Schütze ist erstmals im Jahr 1711 bei der Errichtung eines Altars in der Liebfrauenkirche in Jüterbog nachweisbar. [1] Dort besaß er das Bürgerrecht und heiratete 1712. Von 1711 bis 1714 war er am Umbau des Schlosses in Dahme beteiligt, der im Auftrag des Herzogs Friedrich von Sachsen-Weißenfels (1673-1715) erfolgte. Der markante Mittelrisalit zählt zum Frühwerk des Baumeisters Schütze. Er lieferte auch die Zeichnungen zum Sarg des 1715 verstorbenen Herzogs. Nachdem Johann Adolph II. von Sachsen-Weißenfels (1685-1747) das Schloss 1719 übernahm, ließ er es erweitern und großzügig ausstatten. Schütze leitete die Umbaumaßnahmen von April bis September 1721. Außerdem errichtete er die daran anschließenden Kavalierbauten. In den Jahren 1729/30 entstand der Schlossturm über dem Mittelrisalit nach seinen Entwürfen. [2] Von 1732 bis 1734 baute er die Klosterruine in Dahme zu einer Hospitalkirche um. [3]
Im Jahr 1718 schuf er den Entwurf für ein voluminöses Reiterstandbild des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August den Starken (1670-1733) anlässlich dessen 48. Geburtstages. Vermutlich bewarb er sich mit dieser Zeichnung um eine Anstellung bei Hofe. Diese erhielt er jedoch nicht, auch das Denkmal kam nicht zur Ausführung.
Schütze trat am 25. August 1718 als Landbaumeister in Sachsen-Weißenfelser Dienste und siedelte mit seiner Familie in die Residenzstadt Weißenfels über. Der Wiederaufbau der am 5. Mai 1718 durch ein Großfeuer zerstörten Stadt lag nun in seinen Händen. Parallel entwarf er einen barocken Turmaufsatz für die gotische Stadtkirche, der in nur fünf Monaten entstand. Das Gliederungssystem und die verwendeten Schmuckelemente griff Schütze bei der Errichtung des später gebauten Schlossturmes in Zerbst wieder auf. Das bis 1721 unter Verwendung älterer Teile entstandene Rathaus in Weißenfels zeigt eindeutig die Hand des Meisters. Der Rathausturm im Zentrum des Gebäudes weist ähnliche Strukturen auf, die einst auch dem Zerbster Schlossturm zu Eigen waren. Er besitzt noch heute eine Kugel unter der Uhr, die die Mondphasen anzeigt. Diese Kombination führte Schütze auch in Zerbst aus. [4] Neben den beiden größeren Aufträgen errichtete er auch zahlreiche Bürgerhäuser in Weißenfels. Schütze schuf 1719 das östliche Portal des Schlosses Neuenburg bei Freyburg/Unstrut [5] und ersann wohl drei Jahre später ein Reiterstandbild des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels.
Nachdem Schütze sein Können für kurze Zeit in Weißenfels unter Beweis gestellt hatte, trat er am 25. Juli 1722 in die Dienste des Fürsten Johann August von Anhalt-Zerbst [6] und zog mit seiner Familie in die anhaltische Residenzstadt. [7] Damit begannen für ihn viele Jahre mit umfangreicher und vielseitiger Bautätigkeit, die ihn, soweit es die Standesunterschiede erlaubten, auch eng mit der fürstlichen Familie verband. [8] Gleichzeitig behielt er seine Stellung als Landbaumeister in Weißenfels bei.
1722 bekam der neue Zerbster Hofbaumeister den Auftrag zur Fortführung des ein Jahr zuvor begonnenen Schlossturmes. Schütze gliederte die Turmfassade architektonisch, fügte zahlreiche Schmuckelemente hinzu und setzte einen barocken Aufsatz auf. So blieb von den Arbeiten seines Amtsvorgängers Behr rein äußerlich nichts erhalten. Der Turm, der die Schlossanlage beherrschte und die Stadtsilhouette prägte, war 1725 vollendet. Schütze begann Ende 1722, zeitgleich zum Turmbau, mit der Errichtung eines Lusthauses im sogenannten Garten der Herzogin. Die Arbeiten daran währten bis ins Rechnungsjahr 1726/27. Von 1723 bis 1732 baute er für den Fürsten ein neues Reithaus, das für kleinstaatliche Verhältnisse luxuriös ausfiel. Im Rechnungsjahr 1724/25 entstand das kleine Fischerhaus im Bereich des Küchengartens. Von 1727 bis 1732 errichtete Schütze für Fürstin Hedwig Friederike ein Gartenhaus hinter dem Reithaus. Nach seinen Plänen entstand 1731 bis 1733 auch die neue Vogtei.
Neben seinem Betätigungsfeld in der Residenzstadt begann Schütze 1725 mit der Erweiterung der Schloss- und Gartenanlage Friederikenberg bei Tochheim, dem Lieblingssitz des regierenden Fürsten. Nach seinen Plänen und unter seiner Leitung entstand ein prachtvoller, großzügiger Komplex, der Johann August als Lust- und Jagdschloss diente. Er baute das auf einem Plateau gelegene Lusthaus zu einem Belvedereschloss um, fügte Orangerien und Pavillons mit Kirche und Festsaal hinzu. Außerdem ließ er den Barockgarten verändern und erweitern. Die Arbeiten wurden 1741 beendet. [9]
Ab 1729 veränderte Schütze einige Zimmer des Fürstenpaares im Residenzschloss. Parallel entstand ein neuer Garten für Hedwig Friederike nach seinen Plänen. Auch der große Lustgarten wurde in den Folgejahren nach seinen Ideen grundlegend umgestaltet. Mit der Umleitung des Flüsschens Funder in den Badetzer Teich im Jahr 1730 löste er eine Aufgabe ganz anderer Art.
Auch im fernen Jever an der Nordsee, das seit 1667 zu Anhalt-Zerbst gehörte, war Schütze im fürstlichen Auftrag tätig. Von 1731 bis 1736 setzte Jobst Christoph von Rössing (1680-1750) nach Schützes Plänen dem mächtigen Bergfried des dortigen Schlosses eine hohe barocke Laterne mit Zwiebeldach und Fahne auf. [10]
Im Frühjahr 1735 begann Schütze mit der Errichtung der Hauptorangerie im Zerbster Schlossgarten. Nur ein Jahr später musste er mit der Erweiterung des Westflügels um einen Pavillon eine neue große Bauaufgabe bewältigen. Im Zusammenhang mit diesem Bauvorhaben entstanden zahlreiche Entwürfe, die den großzügigen Ausbau der Zerbster Schlossanlage vorsahen. Allerdings waren die Planungen in diesem Umfang im kleinen Fürstentum Anhalt-Zerbst nicht finanzierbar. Nur Details, der Pavillon am Westflügel und die Sandsteinmauer nördlich des Corps de logis und westlich des Westtraktes, kamen ab 1738 tatsächlich zur Ausführung. Er lieferte nicht nur die Pläne und hatte die Bauleitung inne, sondern schuf in seiner Eigenschaft als Bildhauer auch viele Dekorationen selbst. Die Orangerie wurde 1741 vollendet, die Arbeiten am Schlosspavillon zogen sich bis 1744 hin. Das Spiegelkabinett im obersten Geschoss des Corps de logis (Raum 170) entstand in den Jahren 1739 bis 1743 und war ebenfalls ein herausragendes Werk Schützes. Es diente der Fürstin Hedwig Friederike als privates Kabinett. Parallel zur großen Hauptorangerie baute er 1736/37 ein Orangenhaus im "Herzogin Garten" und 1738/39 ein Gewächshaus an der Stadtmauer.
Johann Christoph Schütze fertigte nach dem Tod des Fürsten Johann August 1742 einen Entwurf zu einem reich mit Bildhauerarbeit geschmückten Denkmal seines Herrn und Gönners an, das jedoch nicht ausgeführt wurde.
Während seiner Zerbster Zeit war er teils in fürstlichem, teils in anderem Auftrag auch in umliegenden Orten tätig. Die bedeutendste und umfangreichste Aufgabe bestand in der Errichtung eines Barockschlosses in Dornburg an der Elbe ab 1726. Auftraggeber war Fürst Christian August (1690-1747) aus der Nebenlinie Anhalt-Zerbst-Dornburg. Der stattliche Neubau, der bis 1738 währte, brannte am 28. Juli 1750 fast vollständig ab. [11] Im Jahr 1733 entwarf er für den zum Schloss gehörigen Gutshof ein Stall- und Wagengebäude. Kurz darauf lieferte er auch Pläne zu Gebäuden in und um die Burg Walternienburg. [12] Schütze war sicher auch der Urheber des barocken Turmes der Kirche in Hohenlepte, der 1734 entstand. [13] Für Schloss Coswig plante Schütze 1738 den Bau eines neuen, sehr eleganten Hauptwachgebäudes vor der Schlossbrücke. [14] Die Kirche in Hundeluft mit achtseitigem Schiff und Turm entstand 1742 ebenfalls nach seinen Plänen. Die Entwürfe dazu sandte er aus Weißenfels dorthin. [15]
Nachdem Fürst Johann August 1742 verstarb, erfolgte sofort eine detaillierte Analyse der Bauausgaben des Hofes der vergangenen 12 Jahre sowie der Gehälter des Baumeisters und anderer mit dem Bauwesen verbundener Hofbediensteter. [16] Im Frühjahr 1743 wurden fast alle Bestallungen erneuert und sogar weitere Handwerker in den Hofdienst aufgenommen. Nur Schütze, dessen Verabschiedung bereits geplant war, erhielt keinen neuen Vertrag. Trotzdem bezog er noch ein jährliches Gehalt von 293 Talern bar und 22 Talern Deputat. Durch die drastische Reduzierung der Arbeiten und Aufträge betätigte er sich wieder vorwiegend als Landbaumeister in Weißenfels. Die Abwesenheit in Zerbst diente als Hauptargument für seine Entlassung am 17. August 1743. [17] Zu dieser Zeit hatten die regierenden fürstlichen Brüder Johann Ludwig (II.) von Anhalt-Zerbst (1688-1746) und Christian August längst einen neuen Baumeister in Berlin gefunden, der den bereits beschlossenen Neubau des Ostflügels ausführen sollte. [18] Daraufhin verließ Schütze mit seiner Familie Zerbst und nahm seinen Wohnsitz wiederum in Weißenfels. [19]
Trotzdem arbeitete Schütze weiter für den Zerbster Hof, allerdings nun auf Honorarbasis und ohne festes Gehalt. Er plante die Illumination, die am 17. September 1745 im Zerbster Schlossgarten anlässlich der Vermählung der Zerbster Prinzessin Sophie Auguste Friederike (1729-1796), der späteren Zarin Katharina II., mit dem russischen Thronfolger Peter (1728-1762) stattfand. Sein Entwurf diente als Vorlage für einen Stich, der vom Leipziger Kupferstecher Bernigeroth stammt. Im Jahr 1747 wurde Schütze zur Vorbereitung der Trauerfeierlichkeiten für Fürst Christian August herangezogen. Von ihm stammte die Gestaltung der Aufbahrung des Regenten im Roten Saal (Raum 40) und in der Schlosskapelle (Raum 11) samt aller Dekorationen. Seine Zeichnungen bildeten die Vorlagen für die 1749 hergestellten Kupferstiche. Von beiden Ansichten wurden je 1.500 Exemplare hergestellt. Zeitgleich entwarf er auch den Prunksarg des Fürsten Christian August.
Während seiner äußerst aktiven und kreativen Zerbster Zeit unter Johann August musste Schütze zeitweise seine zweite Stellung als Landbaumeister in Sachsen-Weißenfels wahrnehmen. Bereits 1732/33 erbaute er die nicht mehr vorhandene Saalebrücke in Weißenfels. In der Zeit nach 1740 war er besonders häufig für den Weißenfelser Herzog tätig. Schütze arbeitete an der unteren Brücke der Burg Querfurt und an den Befestigungsanlagen der Burg Heldrungen. [20]
Im Jahr 1746 war Schütze mit den Entwürfen zu den Dekorationen der Trauerfeier des Herzogs Johann Adolph II. beschäftigt. Ihm ist wohl auch der Entwurf zum Sarg des Regenten zuzuschreiben. Mit dem Herzog erlosch diese sächsische Seitenlinie. Schütze hatte aber Glück und wurde am 12. Oktober 1746 in die Dienste des sächsischen Kurfürsten übernommen.
Der Rückfall von Sachsen-Weißenfels an das kurfürstliche Haus und die damit verbundene Einführung katholischer Gottesdienste erforderte Veränderungen der Anordnung von Altar und Kanzel in der Schlosskapelle. Diese erfolgten 1748 nach Plänen des nunmehrigen königlich-polnischen und kurfürstlich-sächsischen Baumeisters Schütze. Bereits zuvor hatte er Umgestaltungen im Inneren des Residenzschlosses Neu-Augustusburg in Weißenfels vorgenommen. [21]
Schütze blieb trotz seiner neuen Anstellung in Weißenfels wohnhaft und führte nur noch kleinere Bauten sowie Veränderungen an Gebäuden aus. Am 31. Mai 1765, im hohen Alter von über 77 Jahren, endete sein schaffensreiches Leben.
Neben Cornelis Ryckwaert und Giovanni Simonetti war auch Johann Christoph Schütze ein bedeutender Baumeister seiner Zeit und trug während seiner langjährigen Tätigkeit am Zerbster Hof ganz entscheidend zur Entfaltung des Barockstils bei. Seine vielfältigen Bauten prägten das Bild der Residenz Zerbst ganz entscheidend. Obwohl stark von sächsischen Einflüssen geprägt, blieben seine Gebäude klar gegliedert und waren nicht mit Schmuck überladen. Dabei wirkten sie keinesfalls schlicht, sondern wiesen ein sehr gutes Ebenmaß auf. Allerdings ging der im deutschen Raum aufkommende Rokokostil spurlos an ihm vorüber. Schütze hielt bis an sein Lebensende an den Gestaltungsformen des Hochbarock fest.
Seine äußerst vielseitigen Begabungen waren ganz erstaunlich. Auf dem Gebiet der Baukunst gab es keinen Bereich, den er nicht beherrschte. Er baute und erweiterte Schlösser nach eigenen Ideen, entwarf Innendekorationen für Profanbauten und Kirchen, errichtete Orangerien, Lusthäuser, andere fürstliche Gebäude und Bürgerhäuser, gestaltete Gärten, baute Kirchtürme, Befestigungen, Brücken und Wasserleitungen, plante Feuerwerke, Denkmäler, Sargdekorationen, Trauerzeremonien usw. Parallel zur Ausarbeitung von Entwürfen und der Führung der Bauleitung, die hohes logistisches Können bedurfte, beteiligte er sich teilweise an einigen Bauten selbst. Auch als Bildhauer besaß er unglaubliche Fähigkeiten. Neben der Herstellung von Statuen und anderem Zierrat gestaltete er auch zahlreiche Innenräume. Schütze war ebenso als Porträtist und Maler erfolgreich tätig.
Johann Christoph Schütze gehörte nicht zu den großen Baumeisterpersönlichkeiten der Barockzeit. Seine künstlerische Vielseitigkeit und die sehr gute Qualität seiner Arbeiten hoben ihn aber über viele Berufskollegen hinaus. Der Baumeister ist nicht nur für die mitteldeutsche Kunstgeschichte bedeutsam, sondern verdient darüber hinaus Beachtung in der Geschichte des deutschen Barock.

Auszug aus dem Buch: "Schloss Zerbst in Anhalt"

[1] Der Altaraufsatz der im Kern spätromanischen Liebfrauenkirche Jüterbog existiert noch heute.
[2] Im Jahr 1656 gelangte Dahme zum Herrschaftsgebiet von Herzog August von Sachsen-Weißenfels (1614-1680). Nach dem Tod des Herzogs Johann Adolph II. von Sachsen-Weißenfels (1685-1747) fiel das Schloss an die sächsische Kurlinie zurück. Schließlich geriet es 1815 in preußische Hände und wechselte danach mehrmals die Besitzer. Ab 1940 begann der Verfall des Schlosses, das jetzt nur noch eine Ruine ist.
[3] Die Hospitalkirche in Dahme existiert noch heute.
[4] Die spätgotische Marienkirche mit ihrem barocken Kirchturm und das Rathaus prägen noch heute die Silhouette der Stadt Weißenfels.
[5] Die Neuenburg samt Ostportal ist erhalten.
[6] Auszug aus dem Bestallungskonzept Schützes: "[...] Von Gottes Gnaden, Wir Johann August, Fürst zu Anhalt, Herzog zu Sachsen, Engern und Westphalen etc. Uhrkunden und bekommen hiermit: Daß wir auf erfolgte Recommendation, den bisherigen Fürstl. Sachse-weißenfeldischen Baumeister Johann Christoph Schützen nach geleisteter Probe und dabei erwiesenen guten Fleiß nunmehro zu unsern alhiesigen Baumeister zu bestellen und selbigen würklich in Diensten zu nehmen gnädigst resolviret haben. Ihm auch solches hier mit und in Kraft dieses dergestalt und also, dass uns derselbe nebst Führung eines christlichen Erbahren und Gott wohlgefälligen Leben und Wandels allewege treu, hold, gehorsam und gewärtig sein, unsern Nutzen und Bestes eusersten Vermögens nachsuchen und befördern, hingegen Schaden und Nachteil abwenden, verhüten und vorkomen, vornehmlich aber auff unsere Fürstl. Residenz-Hoff-Stadt Lust und alle andere uns zustehende und gegenwärthig vorhandene oder noch neu anzulegende Schlösser und Gebäude alhier und auf dem Lande genau acht haben und höchstes Fleißes zu sehen solle, dass sothane bereits vorhandene Gebäude allemahl conserviret und in guten Esse erhalten, auch das jenige so daran wandelbar werden möchte, in Zeiten reparirt und ein größerer Aufgang dadurch abgewand werden möge. [...] Wegen der neu anzulegenden Gebäude aber, die erfordernden Grund- und andere Riße, nicht allein accurat verfertige, sondern auch wann nach diesem der Auffbau gnädigst resolviret worden, wohl zu sehr, damit das Fundament gehörig und beständig geleget, nach sothanen approbirten Rißen alles tüchtig und sauber verfertiget, keine Faulen gemacht sondern viel mehr nach den Reguln der Architectur und besten Facon damit verfahren werden möge; Zu welchen Ende Er dann und sonderlich was Unsere Fürstl. Schlossgebäude und der zu bestelte Arbeits Leuthe anbetrifft, alhier, so viel ihm nur immer möglich, zu gegen seyn und auf selbige genaue Auffsicht früh und späte haben und einen jeden zu treu und fleißiger Verrichtung deßen so ihm unterhanden gegeben, antreiben, ferner vor die darzu angeschaffte Baumaterialien Sorge tragen auch alle Abschleppereyen und heimliche Entwendungen, so viel in seinen Vermögen beruhet, verhüten und abwenden soll; So bald auch ein oder anderer Bau und Reparatur vorzunehmen resolvirt worden hatt Er was an Baumaterialien und andern Bedürffnüßen darzu eigentlich erfordert werden möchte, genau zu überschlagen und dahin vornehmlich mit zu sorgen, dass solche nicht nur zugehöriger Zeit und auf das allerwohl feileste angeschaffet auch bis zum Gebrauch wohl verwahret folge aber zu solchen Behuff würklich angewand, sondern auch von Ihm über Einnahme und Ausgabe sothaner Baumaterialien und Bedürffnüßen richtige Rechnung geführet darinnen, worzu ein jedes verwand, fleißig aufgezeichnet und was ein und anders überhaupt gekostet sogleich ersehen werden könne [...]" (LHASA, DE, Facharchiv Zerbst, Fach 12, Nr. 7).
[7] Nach mehreren Umzügen wurde er in der Zerbster Fuhrstraße ansässig, ab 1733 wohnte er in der Breiten Straße.
[8] Die am 17. Mai 1724 geborene Tochter Schützes erhielt zu Ehren der Fürstin den Namen Hedwig Friederike. Die Gemahlin des Regenten, Fürst Johann Adolf und Prinzessin Sophia Christina waren die Taufpaten des Kindes. Das Ehepaar Schütze gab ihrem am 22. Juni 1727 zur Welt gekommenen Sohn sogar den Namen Johann August.
[9] Nach dem Tod des Fürsten Johann August geriet der Friederikenberg langsam in Vergessenheit. Schließlich wurde das nicht mehr benötigte Lustschloss nach 1833 abgebrochen. Heute zeugen nur noch das ehemalige Zufahrtsportal und Strukturen im Gelände von der Existenz des Friederikenberges.
[10] Im 19. Jahrhundert wurde die Fassade des Schlosses Jever stark verändert. Der mächtige Turm mit seinem prächtigen Barockaufsatz von Schütze blieb von den Umbauten verschont und ragt noch heute weit über das Gebäude hinaus.
[11] Fürstinwitwe Johanna Elisabeth ließ anstelle des vernichteten Barockschlosses von Schütze ein neues, überaus großzügiges Rokokoschloss errichten. Mit den Planungen beauftragte sie den Baumeister Friedrich Joachim Stengel (1694-1787). Der gebürtige Zerbster stand in fürstlich nassau-saarbrückischen Diensten. Das 1751 begonnen Schloss wurde nur teilweise fertig gestellt. Das Äußere ist bis heute erhalten.
[12] Die Häuser existieren zum größten Teil nicht mehr.
[13] Der Turm mit Laterne der im Kern romanischen Kirche in Hohenlepte hat die Zeiten überdauert.
[14] Das Gebäude wurde wohl nach einem heute noch existierenden Entwurf Schützes errichtet, doch bereits im 19. Jahrhundert wieder abgebrochen.
[15] Die wohl proportionierte, interessante Kirche wird noch heute genutzt.
[16] LHASA, DE, Kammer Zerbst 2764
[17] Diese Begründung enthält das offizielle Entlassungsschreiben an Schütze. Sein recht hohes Alter und sein Festhalten an überholten barocken Gestaltungsformen, obwohl das Rokoko, das die beiden Fürsten vom preußischen Hof her kannten, bereits Einzug in den deutschsprachigen Raum hielt, waren wohl die wahren Anlässe für die Verabschiedung des Baumeisters.
[18] Im August 1743 erfolgte bereits der Abbruch der Burggebäude "[...] wegen des vorseyenden hiesigen Schlossbaues" (LHASA, DE, Kammer Zerbst 2846). Der Meinung, der Ostflügel sei anlässlich der Abreise der Prinzessin Sophie Auguste Friederike nach Russland begonnen worden, kann deshalb nicht gefolgt werden.
[19] Die Behauptung, Schütze sei nicht aus Zerbster Diensten entlassen worden (Dauer 1999, S. 74), ist durch die erhaltene Kopie des Entlassungsschreibens an Schütze vom 17. August 1743 (LHASA, DE, Facharchiv Zerbst, Fach 94, Nr. 7) und durch die Einstellung der Zahlungen für seine Stellung als Hofbaumeister widerlegt. Außerdem hatte Schütze schon im Juli 1743 Kenntnis davon, dass die Zerbster Regenten in Berlin nach einem neuen Baumeister Ausschau hielten und fügte sich seinem Schicksal.
[20] Die Burganlage Querfurt und die Festung Heldrungen sind erhalten.
[21] Schloss Neu-Augustusburg, die Residenz der Herzöge von Sachsen-Weißenfels, entstand nach Plänen und unter der Leitung von Johann Moritz Richter d. Ä. und d. J. (Vater und Sohn) in den Jahren 1660 bis 1694. Von den Innendekorationen des Schlosses ist nur die Schlosskapelle inklusive Altar und Kanzel erhalten.


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