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Fürstliche Orangerien und Gewächshäuser

Eine geschwungene Mauer nördlich der Ruine des Ostflügels des Zerbster Schlosses, die zum größten Teil sehr beschädigt und durch Schmierereien verunziert ist, läßt kaum erahnen, um welch ein prachtvolles und elegantes Gebäude es sich einst handelte. Es war ursprünglich die hintere Abschlußmauer der großen Hauptorangerie. Etwa 200 Jahre lang brachten die Hofgärtner im Winter darin exotische Pflanzen unter. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude 1945 schwer in Mitleidenschaft gezogen, ein späterer Brand und der Teilabbruch vernichteten das Bauwerk endgültig.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erholten sich die Wirtschaft, der Handel und das geistig-kulturelle Leben in Anhalt-Zerbst langsam. Als Fürst Johann (1621-1667) verstarb, übernahmen die Fürstin-Witwe Sophie Auguste (1630-1680), der Landgraf Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt (1630-1678) und der Fürst Johann Georg II. von Anhalt-Dessau (1627-1693) vormundschaftlich die Regierung für den noch unmündigen Erbprinzen Carl Wilhelm (1652-1718).

  Orangerie Blick aus dem Schloss auf die Hauptorangerie
Erst im Jahre 1674 konnte der nun volljährige Carl Wilhelm die Regierung des kleinen Landes Anhalt-Zerbst übernehmen. Über seinen Vormund Johann Georg II., der mit Henriette Katharina von Nassau-Oranien (1637-1708) vermählt war, gelangten holländische Einflüsse ins Dessauische und ins Zerbstische. Carl Wilhelm wollte Anregungen, die er auf Studienreisen als Erbprinz in Holland aufgenommen hatte, im eigenen Lande umsetzen. So beauftragte er den aus Holland stammenden Baumeister Cornelis Ryckwaert, der in den Diensten des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) stand, mit dem Entwurf einer neuen barocken Schloßanlage. Inzwischen hatte der Fürst mit einer umsichtigen Politik die Staatseinnahmen wieder auf das Niveau von vor 1618 erhöht, was die Verwirklichung eines solch grandiosen Planes ermöglichte. So kam es ab 1681 zur Errichtung des Corps de logis (Haupttrakt) des Schlosses, das der Italiener Giovanni Simonetti, der Nachfolger Ryckwaerts, bis 1696 im Innern vollendete.
Parallel zum Schloßbau ließ der Fürst auch die Renaissancegärten teilweise im sich ausbreitenden Stil des Barock umgestalten. Dazu lieferten Ryckwaert, vorwiegend aber Simonetti die Pläne. Im Jahre 1698 wurde ein barocker Lustgarten nördlich des Schlosses angelegt, während der Renaissancegarten im Süden vorerst erhalten blieb. Der neue Garten wurde auf das Corps de logis ausgerichtet. Aufgrund der recht beschränkten Flächenverhältnisse und der unregelmäßig verlaufenden mittelalterlichen Stadtmauer mußte die Gartenachse gegenüber dem Schloß in einem architektonischen Aufbau ihren Abschluß finden. Als Lösung wählte der Architekt eine Treillagenanlage (architektonisch gegliederter Aufbau aus einem Gitterwerk) mit Pavillons, die die Blicke auffing. Diese Staffage aus Holz war der Vorgängerbau der späteren Hauptorangerie an gleicher Stelle. Corps de logis und Treillage spiegelten einander wider, verbunden durch die Gartenachse mit den gestalteten Broderie-Parterren (kunstvoll angelegte Beete).

In einem Barockgarten durften schöne Kübelpflanzen nicht fehlen. Da um 1700 noch keine Orangerie existierte, brachten die fürstlichen Gärtner die exotischen Pflanzen in der kalten Jahreszeit im Gelben Saal auf der Gartenseite des Schlosses unter. Der Saal befand sich im Mittelrisalit des Corps de logis und lag im untersten Geschoß. Von dort gelangte man direkt in den Lustgarten. Mit ausgewogenen Stukkaturen an der Gewölbedecke stellte er einen Sala terrena, eine zum Garten geöffnete Halle, dar. Während hier im Sommer wegen der guten Akustik Konzerte stattfanden, war der Saal im Winter mit Lorbeerbäumen in Kübeln angefüllt, durch die man wie in einem grünen Hain wandeln konnte. Geheizt wurde mit zwei Pyramidenöfen, d. h. Öfen mit einem eisernen Untersatz und einem Aufbau aus Keramik, der sich nach oben verjüngte. Somit war es den Zerbster Fürsten schon Ende des 17. Jahrhunderts vergönnt, einen "Wintergarten" zu besitzen.
Doch bald erwies sich die Unterbringungsmöglichkeit für die Pflanzen als zu klein und für andere anspruchsvollere Arten als ungeeignet. Somit reifte die Idee einer großen Orangerie. Die Pläne lieferte der Hofbaumeister Giovanni Simonetti, der schon unter dem königlich-preußischen Schloßbaudirektor Andreas Schlüter am Berliner Schloß Meisterhaftes geleistet hatte. Simonetti war ab 1703 mit der Errichtung des Westflügels des Schlosses beauftragt, in dem sich die prächtige Kapelle befand. Diese umfangreichen Baumaßnahmen waren möglich, da die Einkünfte des Landes mittlerweile die Grenze von 100 000 Talern im Jahr überschritten hatten. Nach umsichtigen Investitionen Carl Wilhelms in die Jeverschen Besitzungen warfen diese nun entsprechenden Gewinn ab.
Ende des 17. Jahrhunderts gab es in fast jedem bedeutenderem Garten Deutschlands Orangerien und Gewächshäuser. Herrscherhäuser, aber auch reiche Bürger leisteten sich diesen Luxus. Beliebt war vor allem der Orangenbaum.
Der Bau der ersten Orangeriebau von Giovanni Simonetti, in die er vielleicht Anregungen aus seiner Tätigkeit unter König Friedrich I. in Preußen (1657-1713) aus Berlin einbrachte, begann 1704. Während Simonetti in Berlin ausschließlich als Stukkateur arbeitete, betätigte er sich in Zerbst auch als Entwerfer und Bauleiter. Er konzipierte ein langgestrecktes rechteckiges Gebäude an der Hauptallee südwestlich des Schloßkomplexes mit den Ausmaßen 36,5 mal 12 Meter. Das in Fachwerk errichtete Haus war 1705 im Rohbau vollendet, ein Jahr später mit Fenstern und Putz versehen. Die Sandsteinverzierungen für die Eingänge und den Giebel über dem Mittelportal schuf der Bildhauer Franz Friedrich Lück. Nach der Aufsetzung der Dachfenster erhielt das Haus einen Anstrich. Mit der Ausführung von Stuck- und Malerarbeiten im Innern war die erste Orangerie im Zerbster Schloßgarten Mitte 1709 vollendet. Im Zentrum des Gebäudes befand sich ein großer, die gesamte Breite einnehmender Saal mit einer prächtigen, von Simonetti selbst ausgeführten Stuckdecke. Durch das große mittlere Rundbogenportal brachten die fürstlichen Gärtner Kübelpflanzen in den Saal. Im Sommer richtete der fürstliche Hof hier kleine Feste aus, auch Theater wurde im Gartensaal gespielt. Rechts und links davon lagen mehrere kleine Räume. Auf der einen Seite wohnte der Hofgärtner, die anderen Zimmer dienten der Unterbringung von Blumenzwiebeln, Samen und Stauden sowie Gartengeräten.
Mit dem Bau des Pflanzenhauses kam es auch zur Erneuerung des nördlichen Lustgartens, in dem mehrere Sandsteinstatuen aufgestellt wurden.
Nach dem Ableben des Fürsten Carl Wilhelm im Jahre 1718 übernahm sein Sohn Johann August (1677-1742) die Regierung des Landes. In seiner Zeit als Erbprinz betrieb er seine Studien vorwiegend in Dänemark. Der gebildete Prinz erhielt im Jahre 1701 den begehrten Ritterorden des Elefanten persönlich aus den Händen des dänischen Königs. Diese hohe Auszeichnung, die ranghöchste des dänischen Königreiches, wurde nur wenigen deutschen Fürsten zuteil. In nur wenigen Zerbster Regierungsjahren Johann Augusts stiegen die Staatseinnahmen kontinuierlich, Verbindlichkeiten konnten abgezahlt werden. Der kunstsinnige Fürst setzte die Arbeit seines Vaters fort und gab dem Schloßbezirk sein barockes Gepräge, nachdem er schon als Erbprinz die elegante Schloßanlage von Friederikenberg errichten ließ.
Sein erster Bauauftrag in Zerbst war die Ausführung des Schloßturmes ab 1721. Diesen hatte der aus Sachsen-Weißenfels stammende Baumeister Johann Christoph Schütze bis 1725 vollendet. Nach den Plänen Schützes wurde auch ein neues sogenanntes Treibehaus errichtet. Das einfache zweckbetonte Gewächshaus entstand in den Jahren 1724/25. Der genaue Standort im Lustgarten, das heißt im Bereich nördlich des Schlosses, läßt sich heute nicht mehr eindeutig bestimmen.
Aloepflanzen, die zur Gattung der Liliengewächse gehören, konnten durch ihre Größe nicht in den üblichen Orangerien untergebracht werden. Außerdem galt eine blühende Pflanze dieser Art im 18. Jahrhundert als absolute Besonderheit. Aus diesen Gründen baute man einen Turm, der zum größten Teil aus Glas bestand, um die kostbare Pflanze vor Witterungseinflüssen zu schützen. Das Betrachten einer blühenden Aloe sollte übrigens Glück bringen. Schon im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts stand ein Aloe-Turm im Schloßgarten. Der baufällig und unansehnlich gewordene Turm wurde 1733 beseitigt und an seiner Stelle ein neuer errichtet. Die Ausführung erfolgte nach Angaben des Lust- und Hofgärtners Johann Daniel Unger, dessen Vater bereits in Zerbst und vorher in Dresden als Hofgärtner tätig war. 1752/53 baute man wiederum einen Turm zum Schutz einer blühenden Agave.
Die Kapazität der kleinen Orangerie im großen, 1732 erneuerten Lustgarten hinter dem Schloß reichte längst nicht aus, die ständig steigende Zahl an Pflanzen unterzubringen. An die Stelle der alten Treillagenanlage, die bis dahin die Mittelachse des Gartens abschloß, sollte eine neue Orangerie treten. Darin sollten nicht nur die Kübel- und Topfpflanzen überwintern, sie war ebenso als stilvoller Abschluß des Gartens gedacht. Erste Planungen des Baumeisters Schütze stammten von 1732. Der Bau begann im Mai 1735. Mehrere Steinmetze schufen schmückende Sandsteinelemente. Das Frontispiz (Giebel über dem Mittelrisalit) stammte von Franz Christian Schreiber, die Dachfenster von Jacob Heydrich. Weitere Steinmetzarbeiten führten Johann Joseph Eyberg, Franz Zange und Christian Conrad Stutz aus.
Parallel dazu wurden die Dachwerke der Kuppel und der Flügel errichtet und eingedeckt. Die Kuppel fand in einer großen kupfernen Ziervase ihren Abschluß, die der Bildhauer Paul Anthon Trebeßky schuf. Auch die großen Fensterrahmen kamen nun in die noch leeren Öffnungen. Die Nordseite der Orangerie wurde zu dieser Zeit ebenfalls mit Fensterrahmen versehen. Um 1738 kamen die zehn großen Sandsteinsäulen im Mittelsaal hinzu, die die Kuppel trugen.
Jetzt erhielt die Orangerie auch eine Heizungsanlage. Die Öfen befanden sich in separaten Räumen an den Enden der geschwungenen Flügel. Die Schornsteine hatten Vasenform. Die Glastafeln für die Fenster wurden aus Glücksburg bezogen. Vermutlich zu große Wärmeverluste durch die hintere Front zwangen dazu, diese Fenster kurze Zeit später 1746/47 wieder zu vermauern. Die verschlossenen Öffnungen sind an den Mauerresten noch heute erkennbar. 1739/40 ging man daran, die Terrasse vor der Orangerie anzulegen und mit Treppen zu versehen. Im Innern erhielt die Kuppel eine reiche Stukkierung durch Trebeßky, die vom Hofmaler Piere Ranie angefertigte Deckengemälde einrahmte. Anschließend erhielt der Saal einen Anstrich. Die Hauptorangerie war 1741 vollendet.
Mit ihren ausgeglichenen Proportionen, der Schlichtheit und zurückhaltenden Eleganz galt die Zerbster als ein besonders gelungenes Beispiel einer barocken Orangerie. Der beherrschende Mittelbau mit dem Gartensaal und die weniger betonten geschwungenen Seitenflügel nahmen mit ihrem Halbrund den Tiefendrang der Mittelachse des nördlichen Lustgartens elastisch auf. Arnold Tschira bezeichnete in seiner Dissertation über Orangerien den Zerbster Bau als eine "zierliche und in ihrer Linienführung sehr elegante Orangerie". Eine in den Formen vergleichbare Orangerie mit Mittelsaal und zwei angrenzenden Flügeln ist die zu Gaibach bei Würzburg, die um 1700 vermutlich nach Plänen von Leonhard Dienzenhofer entstand. Auch die Struktur des dortigen Gartens mit barocken Parterren und Hecken, die den Schwung der Orangerieflügel aufnahmen, sowie Springbrunnen und Statuen war mit der Zerbster Situation vergleichbar.
In den geschwungenen Flügeln des Bauwerks überwinterten unter anderem Orangen, Zitronen, Pampelmusen, Pommeranzen, Feigen, Datteln, Lorbeer, Zypressen, Agaven, Myrthen und weitere Ziersträucher.
Baumeister Schütze hatte schon vor diesem Orangeriebau Pläne für ein neues Lusthaus im sogenannten Garten der Herzogin angefertigt. Dieses Lusthaus, 1722 bis 1726 errichtet, war mit üppigem Sandsteinschmuck versehen. Es befand sich am heutigen Verbindungsweg zwischen Hauptweg und Post. Das Innere bestand aus einem Mittelsaal und zwei angrenzenden Kabinetten. Dieses Haus war besonders reich mit Fayencen (Vasen und Geschirr aus glasiertem Ton) ausgestattet, die aus der 1721 auf fürstlichen Befehl eingerichteten Manufaktur stammten. Der das Lusthaus umgebende Garten mit Goldfischteich entstand im gleichen Zeitraum. Im Garten wurden Beete in barocken Formen angelegt und kleine Standbilder aus Sandstein aufgestellt. Um auch diesen Gartenteil mit hochwertigen Zierpflanzen ausstatten zu können, wie es Hedwig Friederike (1691-1752), die zweite Gemahlin des regierenden Fürsten, wünschte, mußte die zur Verfügung stehende Orangeriefläche nochmals erweitert werden. So begann 1736 der Bau eines neuen Orangenhauses. Der noch immer am Zerbster Hof tätige Baumeister Schütze lieferte auch dafür die Pläne. Noch im gleichen Jahr gab Johann August die Erweiterung des Westflügels vom Schloß um einen Pavillonanbau in Auftrag, der 1738 im Rohbau und erst 1743, nach dem Tode des Fürsten, vollendet war. Das Orangenhaus war im Gegensatz zu der gerade erst fertiggestellten Hauptorangerie nur ein einfacher Zweckbau. Mit dem Ausbau 1738 fanden die zahlreichen teilweise mannshohen Orangenbäume in farbig gestalteten Kübeln hier Platz. Ein Inventarverzeichnis aus dem Jahre 1766 zählt allein über 300 Orangenbäume in allen Orangerien des Zerbster Schloßgartens.
1742/43 fertigte der Kupferschmied Warnitz 888 Baumzeichen aus Messing für die exotischen Gewächse an.
Noch im Jahr der Vollendung des Orangenhauses im Garten der Herzogin begann die Errichtung eines Glashauses. Dieses befand sich vermutlich hinter der Hauptorangerie direkt an der Stadtmauer. Somit sparte man die nördliche Abschlußmauer, die die Stadtmauer bildete. Das schlichte, bis 1741 in Fachwerk errichtete Gebäude war rechteckig und langgestreckt sowie mit einer Mitteltreppe und zwei Seitentreppen versehen. Das Dach besaß drei Fenster, die für zusätzliche Beleuchtung sorgten.

Im Frühjahr 1750 entstand ein weiteres Gewächshaus unbekannten Standorts. Die Arbeiten fanden schon Ende des gleichen Jahres mit der Einsetzung von 16 großen Fenstern und dazugehörigen Fensterläden ihren Abschluß. Das einfache zweckbetonte Gebäude wurde zur Anzucht und Unterbringung der Ananaspflanzen genutzt. Dieses sechste Glashaus war nunmehr das letzte, das im Zerbster Schloßgarten entstand.
Die Vielzahl der Orangerien und Gewächshäuser stellte für das 18. Jahrhundert einen ungeheuren Luxus dar, den sich die Zerbster Fürsten geleistet hatten. Mit der Vollendung des Schlosses zur Dreiflügelanlage durch die Errichtung des Ostflügels ab 1744 und den damit verbundenen Veränderungen der Lustgärten südlich und nördlich des Schlosses in den Jahren 1747/48 bzw. 1748-51 waren keine weiteren Orangerien vorgesehen, zumal sie hohe Kosten verursachten, vor allem durch die Beheizung im Winter.
Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts wechselte der Trend zu englischen Landschaftsgärten ohne Kübelpflanzen. Die Orangerie am Hauptweg, das sogenannte Kämmereigebäude, wurde bereits 1753/54 aufgegeben.
Fürst Friedrich August ließ die Pflanzen 1787 öffentlich versteigern. Da er sich ständig in Luxemburg aufhielt, war dieser Gartenschmuck nicht mehr notwendig. Nur Reste der exotischen Pflanzen blieben erhalten und befanden sich bis 1921 im wesentlichen in der großen Hauptorangerie. In der ersten Orangerie am Hauptweg südwestlich des Schlosses wurde 1848 eine Wollkämmerei eingerichtet, weshalb das Haus den Namen "Kämmereigebäude" erhielt. Danach nutzte man das Gebäude als Abstellraum. Das Orangenhaus im Garten der Herzogin wurde 1873 abgebrochen. Die noch darin befindlichen alten Granatapfelbäume mit einem stattlichen Alter von über 150 Jahren kamen nach Dessau und Oranienbaum. Dabei fiel vermutlich auch das ehemalige Lusthaus der Herzogin, das neben dem Orangenhaus stand. Das gleiche Schicksal teilten auch die anderen Gewächshäuser. Nur die Hauptorangerie blieb auf Grund ihrer besonderen architektonischen Bedeutung bestehen. 1920 sollte die Orangerie doch noch auf Abbruch verkauft werden. Um Haaresbreite entging sie dem Abriß. Jetzt ließen hier wohlhabende Zerbster Bürger gegen Entgelt ihre Kübelpflanzen überwintern.
Ein schweres Schicksal ereilte 1945 und in der Folgezeit die beiden letzten Orangeriegebäude im Zerbster Schloßgarten. Während des amerikanischen Luftangriffs am 16. April 1945 wurden sie stark in Mitleidenschaft gezogen, jedoch nicht zerstört. Das "Kämmereigebäude" diente nach der Übertragung des Schloßgartens an die Stadt Zerbst 1947 als Materialspender und verfiel daraufhin völlig und wurde schließlich abgetragen. Die Kellergewölbe dienten noch einige Zeit als Ausschank während des Heimatfestes. Sie wurden später ebenfalls beseitigt. Die Hauptorangerie fiel einer Brandstiftung zum Opfer. Die noch vorhandenen Grundstrukturen, insbesondere die Schmuckelemente aus Sandstein, bewahrte man nicht. Bis auf die nördliche einfache Begrenzungsmauer und Teile der Säulen des ovalen Saales wurde alles abgerissen und vernichtet. Damit war das Schicksal der einst so prächtigen Orangerien im Zerbster Schloßgarten mit ihren kostbaren Pflanzenbeständen besiegelt.

Dirk Herrmann

In: Zerbster Heimatkalender 1998, Seite 17—24


Quellen:
Dirk Herrmann, Schloß Zerbst in Anhalt - Geschichte und Beschreibung eines Schlosses der Barock- und Rokokozeit, Halle 1998
Arnold Tschira, Orangerien und Gewächshäuser - ihre geschichtliche Entwicklung in Deutschland, Berlin 1939


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